Johanna Kappus, geb. Mulsow
In Wegweiser für den Kirchenbezirk Lahr im Schwarzwald in Vergangenheit und Gegenwart. Herausgegeben vom Evang. Dekanat Lahr / Schwarzwald, Hof (Saale) 1956, S. 34-37
Mittelalter
Die erste Nachricht über eine Kirche in Altenheim findet sich in einer Urkunde vom 26. Mai 888. In ihr verschreibt König Arnulf dem Priester Isenbrecht 8 Hufen in den Dörfern Auenheim und „Aldanheim in der Mortenau”. Bei der Aufzählung des Zubehörs nennt die Urkunde an erster Stelle: „Ecelesiam ibidem constructam", d. h. die daselbst erbaute Kirche. Wahrscheinlich stand an der Stelle des heutigen Gotteshauses ein Kirchlein, das die fränkische Besatzungsmacht für die Bewohner des Fronhofes errichten ließ. Als auch die beherrschten Alemannen Christen wurden, wurde diese vermutlich ums Jahr 1000 - vergrößert und erhielt auch einen Turm.
Erst um 1300 lichtet sich etwas das Dunkel, das über der Geschichte des Dorfes liegt. Straßburger Adelsgeschlechter waren damals Inhaber des Altenheimer Zehnten und Kirchensatzes als Lehen des Bischofs von Straßburg. Im 16. Jahrhundert hören wir, das St Andreashospital und die Klöster Gengenbach und Schutter n hier Besitzungen hatten. Einige Geschlechternamen aus jener Zeit haben sich bis heute erhalten.
Reformation
Im Jahre 1567 führten die Landesherren Philibert von Baden und Adolf von Nassau-Saarbrücken die Reformation in der Herrschaft Lahr-Mahlberg ein. Der letzte katholische Pfarrer, Claudius Barnotti, wurde vor die Wahl gestellt, entweder sich in Lehre und Zeremonien hach der Augsburger Konfession zu verhalten oder die Pfarrei zu räumen. Er wählte das letztere. Ihm folgte als erster lutherischer Geistlicher der Magister Johann Renfft, „ein frommer Herr". Für die wachsende lutherische Gemeinde reichte das enge Kirchlein nicht mehr aus. Darum wurde 1602 unter Pfr. Elias Wolmershäuser ein größeres Langhaus errichtet. Die Fundamente von diesem Bau wurden, wie auch die vom 1. Kirchlein, beim Neubau 1950 festgestellt.
Dreissigjähriger Krieg
Doch bald wurde diese neue Kirche zu groß; zeitweilig stand sie ganz verlassen. Denn in der 2. Hälfte des 30jährigen Krieges zogen sich die Heere auch nach Mittelbaden. Nach der Schlacht von Nördlingen, am 3. und 6. September 1635, begann die schwerste Leidenszeit in der Geschichte Altenheims. Johann Heinrich Büttner, der vorher in Ichenheim war und 1635 Pfarrer in Altenheim wurde, berichtet im ältesten Kirchenbuch von jener Not „Weil dazumal die Pfarrkinder und Bauern der Dörfer am Rhein, sich wegen Kriegsgefährlichkeit mehrereteils in den Auen und Rheinschollen haben aufgehalten, und deswegen auch die Altenheimer in der alten Auen und benachbarten Orten zwischen dem Rhein mit ihrem Vieh und Armut bewohnet haben: ist von den beiden Herren Marggräflischen und Nassauischen Amtsleuten befohlen worden: dass die nächstgesessenen Pfarrherren, welche alle damals in der Stadt Straßburg sich aufhielten, die Pfarrei Altenheim ein Vierteljahr bedienen und versehen."
Erst im Winter kehrten die Bewohner in die Dörfer zurück, und: am 24. Sonntag nach Trinitatis predigte Büttner in der Altenheimer Kirche, „da zuvor in 61 Wochen keine Predigt darinnen gehalten worden".
Aber schon im Februar 1639 musste Büttner mit seinen Pfarrkindern wieder fliehen. Es war nicht das letzte Mal in den Wirren des 30jährigen Krieges. In der alten Au, dem jetzigen Altenheimer Hof, hat Büttner oftmals gepredigt, Kinder getauft und Ehen eingesegnet. Die Zahl seiner Gemeindeglieder nahm erschreckend ab. 1639 waren nur 2 Taufen, in den beiden folgenden Jahren 4 und 3. Ein großer Teil dieser Kinder starb im frühesten Alter.
Wieder Krieg ....
Am Palmsonntag 1654 wurden nur 6 Mädchen aus 5 Jahrgängen konfirmiert, kein einziger Knabe! Nur langsam wuchs die Gemeinde in den Jahren nach dem großen Krieg. 1660. waren wieder 17 Taufen. Viele Schweizer strömten in das menschenleere Land am Oberrhein. Aber nur wenige blieben in Altenheim. Sie verheirateten sich mit Landeskindern und traten vom reformierten oder katholischen Bekenntnis zum lutherischen über oder ließen doch ihre Kinder lutherisch taufen. Mehr Zuwachs kam aus dem Elsass, vereinzelt auch aus Württemberg. 1675 begann eine neue Leidenszeit. Sie dauerte mit kurzen Pausen bis 1713. Im Frühsommer 1675 schlugen die Franzosen im Altenheimer Bann eine Schiffbrücke. „dadurch der gänzliche Ruin des Fleckens erfolget. Von dieser Zeit an ist die ganze Gemein zerstreuet worden“. Ein Teil blieb wieder in der alten Au, wo Büttners Nachfolger Jodocus Scherer die Gemeinde mit dem Trost der frohen Botschaft diente. Dort draußen geschah es auch, dass er zu Beginn einer Predigt vom Schlag getroffen wurde. Er starb bald darauf in Straßburg. 1677 „ist Altenheim neben andern umliegenden Orten, von den Franzosen bis an die Kirch, das Pfarrhaus und etliche dabei liegende Häuser völlig verbrandt und in Aschen gelegt worden”. Glücklicherweise war auch das ehrwürdige Kirchenbuch, das Büttner begonnen hatte, mit auf die Flucht genommen worden. Pfarrer. Georg Burkhard (1682-1703) versuchte später aus Notizzetteln seiner Vorgänger und deren Vertreter sowie nach Angaben der Hebamme die Taufen, Trauungen und Beerdigungen nachzutragen. Aber von vielen Gemeindegliedern ist der Tod nicht eingetragen worden. Sie werden wohl in der Fremde verdorben und gestorben sein. Manches Mal kann der Zeitpunkt nur annähernd erraten werden, wenn die Witwe oder der Witwer wieder heirateten.
Fast jährlich stand in jener Zeit über dem Leben der Altenheimer Bürger das Wort Flucht! Im April 1703 starben z. B. 2 Frauen und ein Kind, die vom Ehemann und vom Vater selbst begraben wurden, „ohne Gesang und Klang, weil die Glocke weg und wir in die Flucht gingen“. 1705 erwischten französische Marodeure in den Hecken zwei Altenheimer Bürger. Der eine wurde erschossen, der andere elendiglich gemartert, lebend an einen Baum genagelt, „gleichsam gekreuziget“ und endlich erstochen. Noch im Jähre 1713 ertranken 10 Einwohner, meist Frauen und Kinder, auf der Flucht vor Marodeuren.
Neue Glocken und die Silbermann-Orgel
Unbeschreiblich war die Armut in dieser Zeit und in den folgenden Jahren. Zähester Fleiß war nötig, um die waldüberwachsenen Äcker zu roden, die verbrannten Häuser zu ersetzen und Vieh und Hausrat zu beschaffen. Auch die Kirche kam allmählich wieder in Stand. 1716 wurde eine Glocke als Ersatz für die geraubten gekauft. 1721 baute Silbermann in Straßburg eine neue Orgel für die Kirche. Nach 150 Jahren wurde die Kirche zu klein. Zur Vergrößerung wurde die Nordwand des Langhauses um 10 Schuh über einen Streifen des Gottesackers weg hinausgerückt. In den Jahren 1771 und 1788 konnten 3 neue Glocken zu der ersten hinzugekauft werden für den damals noch niederen Kirchturm. Im Jahre 1788 wurde auch das alte Pfarrhaus durch ein größeres ersetzt, das die zehntberechtigten und baupflichtigen Herren von Rieneck aus ihrem Rohrburger Besitz nach Altenheim überführen ließen. Dieses Haus dient heute noch der Pfarrfamilie als Unterkunft.
1790 hatte das Dorf wieder 287 Bürger und 37 „Witweiber”, das sind so viele Einwohner wie 1618. Von nun an nahm die Bevölkerung rasch zu. Am Ende des Jahrhunderts kam erneut Not über das Dorf. 1797 waren wohl 45 Taufen, aber 101 Einwohner starben. Ein Teil von ihnen waren Kehler, die noch öfter als die Altenheimer fliehen mussten. Beim Übergang der Herrschaft Lahr von Nassau an Baden (1803) hatte der Ort fast 1300 Einwohner. Der neue Landesherr, Karl Friedrich, sorgte unermüdlich für einen wirtschaftlichen Aufstieg und eine bessere Schulbildung.
Bau der "Weinbrenner Kirche" 1813
Neues Leben regte sich nach den vielen Kriegen. Nun flickte man auch nicht mehr an der alten Kirche herum, sondern riss 1808 kurzerhand das Langhaus ab und erstellte in 5 Jahren ein neues nach den Plänen von Weinbrenner und Frommel. Jetzt bot die Kirche für 1200 Personen Platz. Auch der Turm wurde erhöht, da das neue Langhaus zu niedrig war. Am 19. September 1813 erfolgte die Einweihung der Kirche.
1821 wurde die Union eingeführt. Die Altarschranken, Kerzen und Kniepolster wurden entfernt und beim Abendmahl Brot gereicht an Stelle der Hostie. Damals kam die silberne Hostienlade außer Gebrauch, die 1699 von einem Rohrburger Seren gestiftet worden war. Auch die Zinnkanne, die 4 schwedische Dragoner, Paten eines Soldatenkindes, 1649 „auf den Altar in der Kirchen zu Altenheim zu immerwehrendem Gedächtnus“ gestiftet hatten, war lange Zeit nicht mehr im Gebrauch, sondern in Vergessenheit geraten.
1851-55 zogen schwere Hungerjahre über die Gemeinde. Viele wanderten aus die Neue Welt. Dekan K. Fr. Arnold beschreibt den schweren Abschied. Er selbst ist der Gründer der Gemeindesparkasse. Sein Nachfolger Jakob Gilg errichtete eine Kleinkinderschule, die zuerst in einem Privathaus untergebracht war. Durch die Pfarrer Hansult und Mulsow wurde die Kirche unter großen Kosten renoviert.
In den Stürmen des 1. Weltkrieges blieb sie unversehrt. Nur die Glocken und Orgelpfeifen mussten abgeliefert werden. Aber dann wurde sie ein Opfer des 2. Weltkriegs. Am Osterdienstag 1945 wurde sie von Granaten getroffen und stand schnell in hellen Flammen. Nur die Umfassungsmauern blieben stehen. Doch nicht nur die Kirche, sondern das ganze Dorf hatte im 2. Weltkrieg schwer zu leiden. Zweimal mussten die Bewohner, wie ihre Vorfahren, Hab und Gut verlassen und auf die Flucht sehen. Und als die Feindseligkeiten zu Ende waren, war kaum ein Haus unbeschädigt.
Mit ungebrochenem Eifer gingen die Bürger nach dem Kriegsende an die Arbeit. Schon nach kurzer Zeit waren die meisten Schäden beseitigt. Der Tatkraft von Pfarrer Volz, der von 1948-53 hier wirkte, ist es zu verdanken, dass auch der Wiederaufbau der Kirche rüstig voranging. Nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten konnte sie am 1. Advent 1951 eingeweiht werden. Wie einst ihre Vorfahren, haben die Altenheimer Bürger gemeinsam gearbeitet, damit ihre Kirche wiedererstehe zur Ehre Gottes und zum Wohl der Gemeinde. Dank der Opferwilligkeit ist es gelungen, die Schuldenlast bereits zum größten Teil abzutragen. Möge nun das neue Gotteshaus vielen Geschlechtern zur Erbauung dienen in allen Nöten dieser Zeitlichkeit.